Erfahrungsbericht eines Aussteigers mit rechter Musik

 

Mit 14 Jahren bekam ich Kontakt zu einer rechten Gruppe. Damals war für mich der angebliche Zusammenhalt und vor allem die Musik wichtig.

Ich war insgesamt vierzehn Jahre dabei, bis ich vor 18 Monaten ausgestiegen bin. In der Schule war ich mehr der Außenseiter und hatte wenige Freunde, die ich glaube durch die Rechte Szene gefunden zu haben. Aufgrund dieser Freunde fühlte ich mich stärker und als was besonderes. Zu dieser Zeit gab es wenige Rechte Bands. Die Texte gaben mir Selbstvertrauen und bauten mich auf, wodurch ich persönliche Rückschläge dachte überspielen zu können. Es fing mit leichter rechter Musik an und steigerte sich zu verbotener und Gewalt verherrlichender Musik. Mit der konnte ich mich bei meinen Freunden profilieren. Die harten Texte reizten mich, nach dem Motto „je härter, desto besser“.

Meine Gewaltbereitschaft wurde durch diese Musik und Alkohol ins unermessliche getrieben. Ich konnte meine Gewalt und Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren, dass führte zu mehrfachen Auseinandersetzungen mit der Polizei und anderen Gruppierungen. Oft konnte ich mich dann am anderen Morgen gar nicht mehr erinnern, was in der Nacht gelaufen is. Wenn dann wieder die Grün-weißen vor der Tür standen, kam das große Erwachen, was hast du wieder gemacht?

Der Knackpunkt kam für mich als die ganze Gewalt, Alkohol, die vielen Straftaten, der ganze Stress mir dann irgendwann zu viel wurden. In ständiger Angst vor der Polizei und dann noch der Wahnsinnsstress mit meiner Familie und Freundin. Neben meinem gedanklichen Stress habe ich auch Herz- und Magenprobleme bekommen. Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Es musste Schluss sein, sonst mache ich mich und mein Leben kaputt. Heute nachdem ich ausgestiegen bin, verläuft mein Leben viel ruhiger. Ich selber bin auch ruhiger und gelassener. Ich höre jetzt gerne Metal-Balladen oder Klassik. Insgesamt hat sich meine Einstellung zur Musik geändert. Ich brauche nichts mehr zum aufputschen und kann es genießen entspannt zu sein.

Die rechte Musikszene heute ist anders als die von damals. Rechte Musik ist heute nichts Unnormales mehr. Jeder kennt irgendwelche rechten Stücke, hat sie zu Hause oder kommt übers Internet dran - da man muss gar nicht viel suchen. Es wundert mich auch immer wieder, dass Leute, die nicht mehr in der Szene sind wie z.B. Technos oder Hip-Hoper rechte Stücke hören. Es kommt schon öfters vor, dass auf ganz normalen Festen, oder Partys rechte Lieder neben dem normalen Sound praktisch als „Attraktion“ gespielt werden. Die Botschaften sind dann oft verschleiert. Sie kommen aber über den Sound schon rüber. Die Leute werden aggressiver - vor allem gegen andere Gruppen.

Ich möchte den Kids, die zum ersten Mal solche Musik hören, einfach nur sagen, dass sie bei den Texten genauer hinhören und sich informieren sollen. Wenn sie dann merken, was eigentlich dahintersteckt, merken sie auch, dass das eigentlich alles nur „Verarsche“ ist.
Die Kids sollen sich überlegen, auf was sie sich da einlassen. Ich finde solche Musik mittlerweile uncool. Man versaut sich eine ganze Menge, wenn man die Botschaften rechter Bands ernst nimmt und versucht danach zu leben. Das kann man sich ersparen!

Informieren kann man sich  z.B. beim Aussteigerprogramm RAUSwege oder halt im Internet, dort gibt es ja auch solche Seiten wie Komplex.